Tetrahydrocannabinol

Tetrahydrocannabinol, oder kurz THC, gehört zur Gruppe der psychoaktiven Cannabinoiden. Diese Substanz ist der Hauptwirkstoff der Hanf- oder auch Cannabispflanze. Dieser Stoff ist hauptsächlich im Harz der Pflanze enthalten. Zur Gewinnung werden besonders die Blüten der weiblichen Cannabispflanzen verwendet, da sich dort die meisten Harzdrüsen befinden. Allerdings finden sich besagte Drüsen auch auf den Blattunterseiten. Tetrahydrocannabinol unterliegt den deutschen Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes.

Chemische Zusammensetzung von THC

Die chemisch korrekte Bezeichnung von Tetrahydrocannabinol lautet (-)-?9-trans-Tetrahydrocannabinol, oder auch Delta-9-THC, selten findet man es unter dem Freinamen Dronabinol. Die genaue Summenformel dieses farblosen Öls ist C21H30O2 und fällt unter die Wirkstoffklasse der Antiemetika. Ein Antiemetikum bezeichnet genauer gesagt ein Medikament, welches Übelkeit und Brechreiz unterdrücken soll. Der Aggregatzustand kann von flüssig bis fest reichen. Diese Substanz kommt in natürlicher Form in zwei Tetrahydrocannabinol-Säuren vor. Diese werden erst durch Decarboxylierung wirksam, dies wird vereinfacht gesagt durch Trocknung der Pflanzenteile erzielt.

Wirkung auf die Psyche

Vermehrt beschriebene Effekte des THC-Rausches sind unter anderem Anhebung der allgemeinen Stimmung und gesteigerte Euphorie, welche als angenehm empfunden werden. Viele berichten außerdem über höhere Redseligkeit, wie auch Veränderungen bezüglich der Wahrnehmung von Geschmack und Musik, sowie von Farben und Zeitgefühl. Außerdem werden Gefühle höherer Einsicht und Bedeutung beschrieben, oder vereinfacht gesagt, neigt man unter einem THC-Rausch zum Philosophieren und zur verstärkten Empathie gegenüber Mitmenschen.

Körperliche Auswirkung

Besonders steht hierbei das medizinische Potenzial von Tetrahydrocannabinol im Vordergrund. So kann diese Substanz in der Therapie gegen neuropathischer und entzündungsbedingter Schmerzen eingesetzt werden. Auch nimmt THC auf motorische Körperfunktionen Einfluss und bewirkt somit eine Linderung von Spastizität. Weiters kommt der Wirkstoff in der Neuroprotektion zum Einsatz, wo er Nervenzellen und -fasern vor dem Absterben bewahren soll, wodurch der Krankheitsverlauf von Betroffenen verzögert werden kann. Des Weiteren dient THC der Hemmung gastrointestinaler Motilität, sowie, dank seiner antiemetischen Wirkung, der Linderung von Brechreiz und Übelkeit. Zusätzlich wird Tetrahydrocannabinol zur Senkung des Augeninnendrucks eingesetzt, wie auch zur Erleichterung des Schlafes. Außerdem hat THC eine appetitanregende Wirkung und hemmt die Ausbreitung von Krebszellen.

Gefahren und Nebenwirkungen

Neben bekannten Nebenwirkungen wie geröteter Bindehaut durch verminderten Tränenfluss, sowie Mundtrockenheit, gibt es noch zahlreiche andere Symptome des THC-Konsums. So ist unter anderem das Lern-, Denk- und Erinnerungsvermögen häufig beeinträchtigt. Weiters fällt es schwer sich zu konzentrieren, da Gedankengänge vermehrt unterbrochen werden. Gehäuft treten Störung der motorischen Leistung und der Bewegungskoordination in Form von Ataxie und Tremor auf. Des Weiteren werden Gefühle von Unwirklichkeit, Depersonalisation und Distanziertheit wahrgenommen. Im Volksmund würde man sagen, die betroffene Person stünde neben sich. Weitere Nebenwirkungen können Panikattacken und Angstzustände sein, sowie Dysphorie, mit welcher häufig erhöhte Reizbarkeit einhergeht. Weitere Nebeneffekte bei der Einnahme von THC können psychotische Symptome in Form von Paranoia darstellen. Weiters kann sich der Konsum auf kardiovaskuläre Funktionen, einschließlich Herzrasen (Tachykardie) und zu niedrigem Blutdruck (Haltungshypotonie), auswirken. Konsequenzen bezüglich der Thermoregulation können sich in Form von verändertem Hitzeempfinden äußern. Die Weitung der Pupillen, medizinisch Mydriasis genannt, kann ebenfalls durch die Konsumierung von Tetrahydrocannabinol herbeigeführt werden. Aufgrund des ungehinderten Lichteinfalls auf die Netzhaut, leiden Betroffene unter starker Blendempfindlichkeit, wodurch die aktive Teilnahme am Straßenverkehr unmöglich wird.

Einnahme und Dosierung

Je nach Verwendungszweck unterscheiden sich die Einnahmemethoden und die Dosierung maßgeblich. Beabsichtigt man einen THC-Rausch („High“-Zustand) herbeizuführen, so beträgt die benötigte Menge THC für einen mittleren Cannabisrausch etwa 5 bis 10 Milligramm. Dieser Wert entspricht in etwa 0,25 Gramm Marihuana oder 0,1 Gramm Haschisch. Marihuana, oder auch „Gras“, bezeichnet die getrockneten Blüten der Cannabispflanze, wobei bei Haschisch ausschließlich das THC-haltige Harz, ohne Pflanzenreste, gemeint ist. Jedoch variiert der Wirkstoffgehalt der unterschiedlichen Cannabisprodukte je nach Pflanzenart und eigener Empfindung stark.

Cannabis kann unter anderem pur, mithilfe einer sogenannten Bong, oder zusammen mit Tabak in einem Joint geraucht werden. Weiters gibt es auch medizinisches Cannabis-Öl, wobei die Dosierung hierbei vom behandelnden Arzt und vom eigenen Krankheitsbild und -verlauf abhängig ist. Die Dosierung laut Dennis Hill erfolgt vor dem Zubettgehen mit jeweils einem Tropfen, das entspricht etwa einem Gramm Cannabis-Öl. Gerade in östlichen Kulturen erfolgt auch die Zubereitung von Tees aus Hanfblättern, auch kann das THC aus den Pflanzenteilen mithilfe von erhitzter Butter herausgelöst werden. Diese Canna-Butter kann dann zum Backen verwendet werden. Auch lassen sich die getrockneten Blätter mahlen. Das daraus gewonnene Canna-Mehl dient ebenfalls als leicht THC-haltige Backzutat.

Legalität

Cannabisprodukte, und damit auch THC und CBD, zählen laut des Betäubungsmittelgesetzt zu den „nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln“. Laut § 29 Absatz 1 Satz 1 und 3 des BtMG ist der Anbau und Handel, sowie der Kauf und Besitz von Cannabis strafbar. Der „Konsum“ als solcher, ist im besagten Gesetz jedoch nicht erwähnt, somit also kein Teil des Straftatbestands und daher straffrei. Allerdings müsste man bei einer etwaigen Kontrolle nachweisen, dass man das Cannabisprodukt lediglich konsumiert, nicht jedoch selbst besessen habe. Allerdings kann laut § 29 Absatz 5 und § 31a bei Anbau, Besitz oder Kauf von Cannabis für den eigenen Verbrauch von einer Strafverfolgung abgesehen werden, dies ist jedoch nicht zwingend.

Bei Cannabis für medizinische Zwecke sieht die Gesetzeslage allerdings anders aus. Der Eigenanbau von Cannabis soll weiterhin verboten bleiben, allerdings verabschiedet der Bundestag einstimmig eine Gesetzesnovelle. Die neue Regelung erlaubt es Ärzten unter gewissen Umständen THC-haltige Cannabisprodukte zu verschreiben. So können ab März Patienten Cannabis auf Kassenkosten zur Behandlung erhalten. Diese Neuerungen stellen für viele Betroffene eine massive Entlastung dar, da viele Erkrankte in Cannabis ihre letzte Chance auf Besserung und Heilung sehen. Bisher konnte Cannabis nämlich nur mithilfe einer Ausnahmegenehmigung als Heilmittel, wie etwa bei Schmerztherapien, eingesetzt werden. Für die Kosten mussten Patienten bis dato in der Regel selbst aufkommen.

Von Bokske – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2946790

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