Schwarzes Bilsenkraut (Hysocyamus niger)

Das Schwarze Bilsenkraut ist eine krautige Pflanze, die in der Regel zwischen 30 und 60 Zentimeter hoch wird. Es wurden jedoch auch Exemplare mit einer Höhe von 150 Zentimetern und mehr gesichtet. Das Schwarze Bilsenkraut verfügt über gelbliche Blüten, die sich von Juni bis Oktober zeigen. Das Kraut verströmt einen unangenehmen Geruch. Schwarzes Bilsenkraut wächst in Afrika und Eurasien, in Nordindien sowie weiten Teilen Asiens und ist vor allem an Wegrändern und entlang von Mauern anzutreffen. In Deutschland und Österreich ist das Schwarze Bilsenkraut nicht sehr weit verbreitet und auch unter den Namen Hexenkraut, Tollkraut, Dollkraut, Zigeunerkraut und Saukraut bekannt.

Chemische Zusammensetzung

Blätter, Wurzel und Samen des Schwarzen Bilsenkrautes enthalten Alkaloide wie Hyoscyamin und Scopolamin. In geringeren Konzentrationen finden sich in den Pflanzenteilen auch Apoatropin und Cuskhygrin. In den Blättern und Samen ist der Gehalt an Alkaloiden am höchsten. Er beträgt dort zwischen 0,06 und 0,3 Prozent. Die Wurzeln bestehen zu 0,08 Prozent aus Alkaloiden.

Wirkung auf die Psyche

Die Wirkung von Schwarzem Bilsenkraut ist abhängig von der Dosierung und unterscheidet sich auch von Mensch zu Mensch.

Nach einer aufgeputschten oder auch aggressiven Phase sorgt die Einnahme von Schwarzem Bilsenkraut für einen sehr tiefen Schlaf, der mit einer Narkose verglichen werden kann. Während dieser Schlafphase kommt es zu intensiven Träumen, die sexueller Natur sein können, oft aber auch Flugerlebnisse oder außerkörperliche Erfahrungen darstellen. Die Träume stellen sich dem Träumenden oft als geheimnisvoll dar. Es wird nicht selten Grusel und Angst empfunden. In Wachphasen kann sich die Sinneswahrnehmung verändern. Außerdem ist ein unkontrollierter Rededrang eine häufige Erscheinung. Zudem sind optische Täuschungen, die als sehr real empfunden werden, eine häufige – auch beabsichtigte – Wirkung. Heftige emotionale Reaktionen wie Wutausbrüche oder Weinkrämpfe können die Folge sein. Gedächtnis- und Sehstörungen können noch nach zwei bis drei Tagen auftreten.

Körperliche Wirkung

Schwarzes Bilsenkraut wurde in der Vergangenheit oft als Medikament eingesetzt, da die Wirkstoffe das Scherzempfinden dämpfen. Die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide verändern Geschmacks-, Geruchs- und Hörsinn. Nach der Einnahme erweitern sich die Pupillen, die Haut kann stark gerötet und trocken sein. Durch die narkotische Wirkung der Pflanzenwirkstoffe kann es auch zur Bewusstlosigkeit kommen. Ab einer Einnahme von ca. 5 Milligramm alkaloider Wirkstoffe kann es zum Tod kommen.

Einnahme

Von der Pflanze können alle Bestandteile verwendet werden. Häufig ist eine Verwendung als Essenz, Extrakt oder Öl für medizinische Anwendungen. Als Rauschmittel werden getrocknete Blätter geraucht oder gegessen. Blätter, Samen und andere Pflanzenteile können auch gekaut oder als Tee aufgegossen werden. Es ist jedoch zu bedenken, dass das Rauchen der Pflanzenteile angesichts der großen Vergiftungsgefahr als sicherer angenommen wird als die orale Einnahme, da beim Essen der Pflanze die Wirkstoffe oft verzögert, dann aber schlagartig freigesetzt werden.

Dosierung

Bei der Dosierung von Schwarzem Bilsenkraut ist große Vorsicht empfehlenswert, da die Wirkstoffkonzentrationen stark schwanken und damit die Gefahr von Vergiftungen besteht. Es ist empfehlenswert, mit sehr geringen Dosen einzusteigen und diese gegebenenfalls nach und nach zu erhöhen. Eine Wirkung mit Blick auf die Sinneswahrnehmungen tritt bei Dosen über 1 Milligramm Wirkstoffgehalt ein. Die minimale tödliche Dosis liegt mit 5 Milligramm recht nah an dieser Wirkdosis, sodass größte Vorsicht geboten ist.

Legalität

Schwarzes Bilsenkraut ist nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst und damit grundsätzlich legal. Jedoch ist der Hauptwirkstoff, das Alkaloid Scopolamin als Einzelstoff verschreibungspflichtig. Wer Schwarzes Bilsenkraut oder seine Bestandteile mit missbräuchlicher Absicht vertreibt, riskiert unter Umständen eine Strafverfolgung nach § 95 des Arzneimittelgesetzes. Demnach droht eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft.

Gefahren und Nebenwirkungen

Die Hauptgefahren bei der Verwendung von Schwarzem Bilsenkraut ergeben sich aus der Wirkung der Alkaloide selbst sowie aus der Dosierung.

Bei einer Überdosierung ist ein Atemstillstand bei den Betroffenen die Folge, der zum Tode führen kann. Wie bei allen psychotropen Stoffen kann es bei längerfristiger Anwendung zur Entwicklung von Psychosen kommen. Das Hauptproblem ist jedoch die exakte Dosierung. Da die für Rauschanwendungen gewünschte Dosis – ein Milligramm – nahe an der tödlichen Dosis von etwa fünf Milligramm liegt, sind unabsichtliche Überdosierungen ein häufiges Problem, das dadurch verschärft wird, dass es zu starken Schwankungen der Wirkstoffkonzentration kommen kann. Daher ist es kaum möglich, die exakte Dosierung richtig einzuschätzen.

Personen, die über gewisse Risikofaktoren wie Herz- oder Kreislauferkrankungen verfügen, sollten davon absehen, Schwarzes Bilsenkraut anzuwenden, da hier das Risiko einer Atemlähmung erhöht ist.

Weitere Vergiftungserscheinungen ähneln denen der Tollkirsche: Die Pupillen können sich erweitern, es kann zu Erbrechen und Mundtrockenheit kommen.

Bild Von H. Zell – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*