Kanna (Sceletium Tortuosum)

Sceletium_tortuosum

Kanna (Sceletium Tortuosum)

Kanna

Kanna ist eine äußerlich recht unauffällige Pflanze aus der Familie der Mittagsblumengewächse. In ihrem Verbreitungsgebiet im Süden des afrikanischen Kontinents ist Kanna recht häufig anzutreffen. Kanna wird seit Jahrhunderten rituell und medizinisch genutzt, seit etwa 250 bis 300 Jahren ist auch eine Anwendung als Rauschmittel dokumentiert. Kanna wurde bereits im Jahr 1753 von Carl von Linné katalogisiert.

Chemische Zusammensetzung

Die Pflanzen der Gattung Kanna enthalten hauptsächlich die Alkaloide Mesembrin, Mesembrenin und Tortuosamin. Darüber hinaus konnten auch Mesembranol, Tortuosamin, Mesembran, Sceletium A4, Chennain, 4′-O-Demethylmesembranol, Sceleton, Joubertiamin und Hordenin nachgewiesen werden. Über die genaue Verteilung der Alkaloide in den Pflanzen kann leider keine gesicherte Aussage getroffen werden, da je nach Ort und Zeit der Ernte sehr unterschiedliche Zusammensetzungen nachgewiesen wurden. Auch die Konzentration der Alkaloide weicht je nach Erntezeit und Ort mitunter deutlich ab.

Wirkung auf die Psyche

Kanna wirkt vor allem auf den Allgemeinzustand. In kleineren Dosen wirkt Kanna stimmungsaufhellend, Stress- und Spannungsgefühle werden gemindert. Auch angstdämpfende Effekte wurden berichtet. Im Bereich der sozialen Interaktion werden unterschiedliche Wirkungen bei der Anwendung von Kanna berichtet. Sehr oft wird berichtet, dass Personen unter Einfluss von Kanna-Konsum sich in Gruppen eher reserviert verhalten. Andere berichten, dass ihnen vor allem in Angstsituationen soziale Interaktionen leichter fielen. Darüber kann nach wiederholtem Gebrauch von Kanna Reizbarkeit auftreten.

Körperliche Wirkung

Je nach persönlicher Veranlagung und Art der Dosierung kann Kanna leichte Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen. Hohe Dosierungen gehen mit Herzrasen und einer inneren Unruhe einher. Diese Symptomatiken sind auch Folgen des erhöhten Blutdruckes, den Kanna auslösen kann.

Einnahme

Traditionell werden fermentierte Pflanzenteile von Kanna gekaut. Dazu werden Pflanzenteile zerkleinert und in einem Mörser zerquetscht. Die Masse wird für etwa zwei bis drei Tage in einem geschlossenen Gefäß fermentiert. Anschließend wird die Substanz umgerührt und für weitere fünf Tage geschlossen aufbewahrt. Am achten Tag kann die fermentierte Substanz an der Luft getrocknet werden. Das getrocknete Pulver kann nun gekaut oder geraucht werden – oft auch zusammen mit anderen Substanzen. Oft wird das Pulver zusammen mit Alkohol für einige Minuten im Mund behalten und dann ausgespuckt.

Kanna kann auch als Pulver geschnupft werden. Darüber hinaus ist Kanna auch als Tee konsumierbar – je nach Vorliebe auch als Teil von Kräutermischungen.

Dosierung

Bei oraler Anwendung des fermentierten Pulvers kann bei einer Menge von etwa 50 Milligramm von einer beruhigenden Wirkung ausgegangen werden, die nach etwa einer halben Stunde eintritt. Bei einer Dosis ab etwa 250 Milligramm tritt die Angst lösende Wirkung von Kanna ein.

Wird Kanna geraucht, sind Dosierungen zwischen 50 und 500 Milligramm üblich, wobei 100 bis 250 Milligramm der Normalbereich sind. Die Wirkung tritt dann nach 30 bis 60 Minuten ein.

Geschnupft kann Kanna in kleineren Einzeldosen ab 20 Milligramm konsumiert werden, wobei die Tagesdosis 150 Milligramm nicht überschritten werden sollte.

Legalität

Kanna unterliegt nicht den Beschränkungen des Betäubungsmittelgesetzes. Die Pflanze kann daher ganz unproblematisch kultiviert und auch weitergegeben werden. Gleiches gilt für Pflanzenteile oder auch das fermentierte Pulver. Besitz und Weitergabe sind rechtlich unproblematisch. Vorsicht ist jedoch beim Handel mit Kanna geboten, wenn Kanna-Produkte gezielt für den Konsum vertrieben werden. Hier kann im Falle einer beabsichtigten missbräuchlichen Verwendung eine Sanktionierung nach dem Arzneimittelgesetz erfolgen.

Gefahren und Nebenwirkungen

Die Gefahren, die von Kanna ausgehen, beziehen sich vor allem auf den oben beschrieben psychischen und physischen Wirkungen. Erwähnenswert ist insbesondere die Blutdruck steigernde Wirkung, die bei einer entsprechenden Veranlagung zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Wer also ohnehin Probleme mit Herz, Kreislauf oder Blutdruck hat, sollte von einem Konsum Abstand nehmen.

Darüber hinaus können sich bei einem Mischkonsum mit anderen Substanzen unerwünschte Wechselwirkungen ergeben, die womöglich unbekannt sind. In der Kombination mit Alkohol treten beim Gebrauch von Kanna vermehrt Halluzinationen auf. Im Zusammenspiel mit Cannabis kann die Wirkung von Cannabis-Produkten durch Kanna deutlich verstärkt werden.

In Kombination mit MDMA kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen, bei dem der Körper mit Serotonin überversorgt wird. In der Folge kommt es zu Hyperthermie mit Schwitzen, erhöhtem Herzschlag, Schüttelfrost, sehr schneller Atmung, Fieber, Verwirrung und Organversagen, das im schlimmsten Fall lebensbedrohend sein kann.

Ein weiteres Problemfeld ergibt sich durch die psychische Wirkungsweise von Kanna: Personen, die unter latenten Psychosen leiden oder eine entsprechende Krankengeschichte haben, sollten von einem Konsum von Kanna absehen, da die Substanz im Verdacht steht, unter diesen Bedingungen Psychosen auszulösen oder zu verstärken. Darüber hinaus ist Kanna eine psychoaktive Substanz, die mit einer gewissen Vorsicht konsumiert werden sollte, um die Auslösung eines Suchtzusammenhangs zu vermeiden.

Darüber hinaus sind weitere Langzeitfolgen im Zusammenhang mit Kanna nicht bekannt.

Bild von JoozwaEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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